09.01.2021 Online-Seminar „Neuromuskuläre Patienten physiotherapeutisch behandeln“

Vonskuehnicke

09.01.2021 Online-Seminar „Neuromuskuläre Patienten physiotherapeutisch behandeln“

....... und es hat Zoom gemacht,

 

wie in dem Lied von Klaus Lage, „ Tausend mal berührt „ erging es Karin Roth.
Die Verantwortliche der SHG „Muskelstammtisch Schweinfurt“ hat Corona-bedingt schon an einigen Online-Seminaren teilgenommen. Ihr Gedanke war, ein Online-Seminar zum Thema Physiotherapie auf die Beine zu stellen. Als Referenten konnte sie Martin Kemper für den 09.01.2021 gewinnen. Martin Kemper war vor seinem Ruhestand Fachlehrer für Neurologie an der Fachschule für Physiotherapie in Höxter und hat über 25 Jahre an einer Therapiestudie mit neuromuskulären Patienten teilgenommen und mitgeholfen, wesentliche Aspekte der Behandlung zu entwickeln. Er schrieb bereits zwei Bücher über die Symptomatik bei neuromuskulären Erkrankungen und deren physiotherapeutischen Behandlungsmöglichkeiten. Herr Kemper war sofort bereit ein Online-Seminar mit dem Titel „Physiotherapie bei neuromuskulären Erkrankungen“ zu erstellen und als Referent zur Verfügung zu stehen. Es meldeten sich 40 Teilnehmer (Betroffene und Therapeuten) an.

Hier der Inhalt des Seminars (dargestellt von Herrn Kemper):

Online-Seminar „Neuromuskuläre Patienten physiotherapeutisch behandeln“

Das Seminar sollte helfen, physiotherapeutische Maßnahmen bei neuromuskulär Erkrankten transparenter zu machen. 

Im therapeutischen Befund sollten funktionelle Zusammenhänge im Vordergrund stehen:

  • Sind die „Muskelketten“ intakt,
  • oder entwickeln „Agonisten“ und ihre „Antagonisten“ schwache Anteile bzw. „Dysbalancen“?

Anhand eines Funkturmmodells wurde klar, dass die senkrechte Ausrichtung des Turms die Belastung der Haltekabel minimiert. Dieses Bild ist durchaus auf Körperhaltung und Muskelbeanspruchung übertragbar.

Treten lokale Schwächen in einem Seil (bzw. in einer Muskelkette) auf, kippt der „Körper“ – oder die Labilität wird durch Mehrspannung (etl. woanders)  ausgeglichen:

  • Könnte das „Hohlkreuz“ also die Folge von Beinschwächen sein?
  • Könnten Schulter- und Nackenschmerzen die Folge einer „krummen“ oder vorgelehnten Haltung sein?
  • Könnte wiederum eine vorgelehnte Haltung die Folge von Fußparesen sein?

Mithilfe prägnanter Darstellungen wurden einige Übungen und Möglichkeiten gezeigt, die zur Entlastung beitragen können.

Offenbart der therapeutische Befund zusätzliche Muskelverkürzungen („Kontrakturen“), die schon vorhandene Fehlhaltungen fixieren, wären lokale Dehnungen ein Thema.  

Zu berücksichtigen ist jedoch aus Patientensicht:

  • Trägt die Verkürzung zur individuellen Absicherung der Haltung bei, oder stört sie eher?
  • Werden nur Muskeln im Sinne einer „Schutzspannung“ verkürzt, oder sind bereits zusätzliche bindegewebige oder „fasziale“ Anpassungen eingetreten?

Hier sollte der Therapeut festlegen, ob mithilfe konsequenter Dehnungstherapie, „exzentrischer“ Bewegungen, Dekontraktion oder sanfter, tonuslösender Schüttelungen eine Bewegungserleichterungerreichbar ist. Sollte das unrealistisch sein, ist eine Haltungs- und Bewegungsentlastung  vielleicht über geeignete Hilfsmittel oder über eine individuelle Sitzunterstützung möglich.

  • Sind selbstständige Übungen sinnvoll möglich?
  • Unter welchen Bedingungen können sie so sanft dosiert werden, dass schwache Anteile einer Muskelkette (zum Beispiel die Scapula alata) nicht überlastet werden?

Ein Anliegen zog sich durch den Vortrag:
Im Idealfall sollte der Therapeut den Patienten in seine Überlegungen einbeziehen. So könnten   „Gleichgewichtsstörungen“ vielleicht ganz konkret auf Wadenverkürzungen, Fußmuskelschwächen oder Beckeninstabilitäten zurückzuführen sein. Aus Patientensicht wäre es sicherlich hilfreich, Ursachen und Wirkungen von Krankheitssymptomen besser zu verstehen und nicht in passive Hilflosigkeit zu verfallen.

Herr Kemper führte sehr souverän und kurzweilig durch das Seminar. Beantwortete alle Fragen mit hoher Kompetenz und auch für Laien verständlich.

Das Seminar wurde von den Teilnehmern als „sehr positiv und lehrreich“ bewertet. Der Wunsch nach ähnlichen Veranstaltungen wurde geäußert.

Karin war froh über den fast „reibungslosen Ablauf“ des Seminars. Und bedankte sich nochmals bei Herrn Kemper für seinen Vortrag.

Trotz des enormen (nicht erwarteten) Aufwands ist Karin glücklich, dieses Seminar organisiert und trotz der schwierigen Situation vielen Interessierten die Teilnahme ermöglicht zu haben.

Uwe Roth
SHG Schweinfurt

Über den Autor

skuehnicke administrator